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Nummer 36 vom
5. September 2010

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Gemeindereport

Namen der Täuflinge zieren ein Holzbäumchen

Nieder-Hilbersheimer präsentieren neue Orgel offiziell beim Gemeindefest am 5. September • Von Luise Botler

Die Kirchengemeinde Nieder-Hilbersheim räumt den jungen Gemeindemitgliedern viel Raum ein. An diesem Wochenende jedoch stehen erst einmal die Musikfreunde im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Die renovierte Orgel wird festlich präsentiert.

 

 

Seit der Renovierung ist das Klangbild der Orgel angenehmer und ausgeglichener geworden. Das freut Kindergottesdienst-Leiterin Irma Kreutzer, Organist Michael Schäfer und Pfarrerin Karin Becker.

Als kleine feine Gemeinde mitten im Welzbachtal stellt sich das rheinhessische Dorf Nieder-Hilbersheim der weltweiten Öffentlichkeit im Internet vor. Umgeben von bewaldeter Hügellandschaft, in der Wein und Obst üppig gedeihen, leben dort 640 Einwohner. Ungefähr die Hälfte davon ist evangelisch. Auch ihre Kirche ist klein und fein und thront auf einem Mini-Hügel im Ort als barockes Kleinod. Wer sich ihr von der Rückseite her nähert, promeniert durch eine kleine Birkenallee und auch Rollstuhlfahrer und Rollator-Besitzer können so barrierefrei in die schwellenlose Kirche gelangen.

Orgel steht unter Denkmalschutz

Wer sich über den schönen alten Baumbewuchs den Abhang zur Hauptstraße hinunter wundert: Er rührt daher, dass dort vor langen Zeiten einst die Altvorderen begraben wurden. Heute dient die Fläche nicht nur als grüne Oase inmitten des idyllischen Dörfchen, sondern auch als Treffpunkt für das Gemeindefest, das im dreijährigen Rhythmus gefeiert wird, in diesem Jahr wieder am Sonntag, 5. September.

Die Einstimmung auf das Fest erfolgt durch den Gottesdienst am Vormittag, in dem die generalüberholte und restaurierte Orgel offiziell präsentiert wird, auch wenn sie nach kurzer Reparaturzeit durch die Schmallenberger Firma Oppel, schon längst wieder in Betrieb ist. Es handelt sich bei dem Instrument um eine Bernhard-Orgel aus dem 19. Jahrhundert, die unter Denkmalschutz steht. Eine kleine, feine Orgel, deren Prospektpfeifen allerdings im Zweiten Weltkrieg zu Kriegszwecken eingeschmolzen wurden. Ofenrohrblech war dann der Ersatz. Nun sind die Prospektpfeifen wieder aus Zinn, strahlen mit der Goldverzierung am Rand um die Wette – und das Orgelschätzchen klingt fast wieder wie im ursprünglichen Zustand.

Das Klangbild ist angenehm und ausgeglichener geworden, die Oktave lässt sich besser einsetzen und vor allem ist nun der Tastendruck gleichmäßig, zeigt sich Organist Michael Schäfer zufrieden. Er sitzt fast schon von Kindesbeinen an auf der Orgelbank und begleitet die Gottesdienste musikalisch – seit mittlerweile 20 Jahren schon.

Seine ersten Auftritte hatte Michael Schäfer im Seniorenkreis, der mittlerweile schon seit 40 Jahren besteht und eine weitere tragende Säule in der Gemeindearbeit ist. Parallel zu seinem Engagement an der Orgel hat Schäfer die Jugend-Projektgruppe »DIEBänd« gegründet. Für den vielbeschäftigten Arzt kein Stress, sondern ein Ausgleich.
Wer die evangelische Kirche, die 1209 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und 1745 wieder aufgebaut wurde, betritt, merkt sofort, dass den jüngsten Mitgliedern der Gemeinde viel Platz eingeräumt wird. Der alte Altartisch im Chorraum ist mit einer von den Kindern selbst bedruckten Tischdecke bedeckt. Ein Holzbäumchen trägt die Namen der Täuflinge als Apfelfrüchtchen, Taufkerzen warten darauf überreicht zu werden.

Seit mehr als 20 Jahren schon ist Irma Kreutzer für den Kindergottesdienst zuständig, der jeden Sonntag stattfindet. Unterstützt wird sie dabei von Ute Fleck. »Ich mache das alles sehr gern und zu Gottes Ehren«, sagt Irma Kreutzer, die begeistert ist von den rund 20 Kindern, die regelmäßig kommen. »Sie lernen, wie man sich in einer Kirche benimmt und sich dabei ruhig und konzentriert verhält.« Die Kinder sind dabei nicht nur aktiv ins Gottesdienstgeschehen eingebunden, sondern verzieren zum Beispiel auch die Taufkerzen für die neuen Erdenbürger. Alle drei Jahre findet mit den pfarramtlich verbundenen Nachbargemeinden Ober-Hilbersheim und Appenheim eine Kindergottesdienst-Freizeit statt, dieses Mal hieß das Ziel Daun in der Eifel und »es war wieder so schön und so harmonisch«, schwärmt Irma Kreutzer.

Kartoffelsuppe für die Königin der Instrumente

Pfarrerin Karin Becker sieht in der Kindergottesdienstarbeit ihrer drei Gemeinden einen kontinuierlichen Beitrag zur Sozialisation und freut sich über die in Selbstverantwortung stattfindenden Kindergottesdienste. Immer wieder sind die Gemeindekinder beim Gottesdienst der »Großen« mit eigenen Beiträgen dabei. So auch demnächst beim Gemeindefest und auch am Erntedankfest, das in Nieder-Hilbersheim ganz besonders gefeiert wird: Einer Idee der evangelischen Kirchengemeinde folgend, erfreut sich mittlerweile seit vielen Jahren der Nieder-Hilbersheimer Handwerker – und Bauernmarkt ebenso großer wie wachsender Beliebtheit. Am Marktsamstag findet traditionell in der kleinen barocken Kirche, eingetaucht in Kerzenschein ein Abendgottesdienst statt, zu dem man beizeiten aufbrechen sollte, um noch ein Plätzchen zu ergattern.

Beim diesjährigen Gottesdienst zum Bauernmarkt am 16. Oktober wird es eine Taufe bei Kerzenschein geben. »Der Gottesdienst ist ein Angebot an die Menschen, hier in dieser schönen Kirche zur Ruhe und Besinnung zu kommen«, sagt Pfarrerin Karin Becker.

Waren anfänglich die selbst gemachten Pizzabrötchen der Kirchengemeinde unter den Marktbesuchern der Renner, so sorgt mittlerweile die Kartoffelsuppe mit Wursteinlage für einen guten Erlös in der Gemeindekasse. Zwei Jahre lang wurde auch für die Renovierung der Orgel gekocht und Getränke ausgeschenkt. Alles in allem kamen durch privates Engagement stolze 12 000 Euro an Spenden für die Orgel zusammen. Auch der Landkreis Mainz-Bingen steuerte im Rahmen seiner Ehrenamtsförderung 15 000 Euro dazu, der Rest der 32 000 Euro Gesamtkosten kam von der Landeskirche. »Auch hier war es wieder das große Engagement des Kirchenvorstands, unseren Landrat auf die Notwendigkeit der Instandsetzungsmaßnahme hinzuweisen«, sagt Pfarrerin Becker. Evangelisches Leben pur können Besucher am Sonntag, 5. September, ab 10.30 Uhr in Nieder-Hilbersheim erleben mit einem Gottesdienst und anschließender Bewirtung mit Spießbraten oder Bratwurst und wie in Rheinhessen allerorts üblich zu Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Nahrung für die Seele gibt es dann wieder um 17 Uhr in der Abschlussandacht mit der »DIEBänd«.

Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Hilbersheim; Niedergasse 13, 55437 Appenheim; Telefon 0 67 25/99 21 70

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