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Standpunkt

Hauptsache freiwillig

Von Wolfgang Weissgerber

Der Zivildienst ist am Ende, ob die Wehrpflicht nun bleibt oder nicht. Der unbeholfene Plan von Sozialministerin Kristina Schröder, ihn freiwillig weiterzuführen, ist Unfug. Niemand braucht diese Konkurrenz zum Freiwilligen Sozialen Jahr. Denn das ist ein Erfolgsmodell. Es sollte ausgebaut werden, statt es zu gefährden.

Mit nur noch sechs Monaten Dauer ist der Einsatz von Kriegsdienstverweigerern schon jetzt für viele Dienststellen unattraktiv. Kaum hat sich ein junger Mann eingearbeitet, ist er auch schon wieder weg. Die Option, freiwillig länger zu dienen, hilft wenig, da sie nicht planbar ist.

Das hat Konsequenzen. Der Soziale Friedensdienst in Darmstadt, jahrzehntelang ein Renommierstück kirchlichen Zivildiensts, wird im Herbst kurzerhand dichtgemacht, wenn der pädagogische Leiter Rainer Hohenstein in den Ruhestand geht. Im Dekanat Darmstadt wird es dann keine Zivildienstleistenden mehr geben. Viele andere soziale Einrichtungen halten es ähnlich.

Wird die Wehrpflicht ganz ausgesetzt, wie es Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg erwägt, entfällt natürlich auch die Grundlage für den Zivildienst. Niemand muss den Wehrdienst verweigern und dafür einen anderen Dienst leisten, wenn es ihn nicht mehr gibt. Begreiflicherweise will der Staat für diesen Fall einen Ersatz anbieten – auch um die Strukturen aufrecht zu erhalten, sollte er die Wehrpflicht eines Tages wieder aufleben lassen wollen.

Darum will Frau Schröder einen freiwilligen Dienst einführen, der zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, im Regelfall ein Jahr dauern und Männer wie Frauen offenstehen soll. Warum stärkt sie für diesen Zweck nicht das Freiwillige Soziale Jahr? Genau ein einziges Argument ist ihr eingefallen: Dafür seien die Länder zuständig. Kompetenzgerangel also, keine sachlichen Gründe.

Vernünftiger wäre es, jenseits aller Zuständigkeiten das Freiwillige Soziale Jahr einheitlich zu regeln und finanziell besser auszustatten. Ein womöglich höher bezahlter freiwilliger Zivildienst wäre das unnötige Ende einer bewährten Einrichtung, die der Gesellschaft nützt und zur Persönlichkeitsbildung junger Menschen beiträgt. Die Träger des Freiwilligen Sozialen Jahres müssten in diesem Fall überlegen, ob sie sich nicht besser als Veranstalter des freiwilligen Zivildienstes bewerben. Die Fusion beider Systeme ist -einer Doppelstruktur auf jeden Fall vorzuziehen.

Auch der Ministerin scheint indes zu schwanen, dass ihr Vorhaben recht unausgegoren ist. »Da muss man jetzt in die Detailplanung gehen«, sagt Kristina Schröder. Vielleicht merkt sie ja dabei, dass man es besser lässt.

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